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STEFFI WEIGEL / AQUARELLE / 16. Mai – 21. Juni 2008
Ausstellungsansichten (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken):
(Photos: Uwe Walter)
Steffi Weigel begibt sich in ihren jüngsten Arbeiten auf die Suche nach dem Ursprung unseres Lebens. Zarte Aquarelle auf großen Leinwänden zeigen Porträts von Neugeborenen, wenige Augenblicke nach ihrer Geburt. Die Künstlerin sieht ihnen ins Gesicht und versetzt sich in ihre Lage hinein: Was geht in ihren Köpfen vor? Wovon träumen sie?
Sie zeigt die Häupter der Säuglinge überlebensgroß und aus nächster Nähe. In den Gesichtern spiegeln sich Anstrengung und Erschöpfung nach der ersten großen Schlacht. Die transparenten, beinahe zeichnerischen Pinselstriche vor dem klaren weißen Hintergrund lassen die Köpfe schutzlos und zerbrechlich wirken. Gleichzeitig mildern die zarten Farbtöne den Schrecken des Erlebten. Neben den hellen, großformatigen Leinwänden entstehen kleinformatige, dunkle Arbeiten auf Holz. Sie zeigen die Kinder, geborgen wie im Mutterleib, geschützt wie in einer warmen Höhle. Die Wärme des Holzes und der Farben umschließen sie wie ein eigener kleiner Kokon. Die Holzarbeiten bilden einen Gegenpol zu den Leinwandarbeiten. Aus Wärme und Geborgenheit werden die Neugeborenen ins Helle, ins Leere und Ungewisse geboren. Bar jeder eigenen Erinnerung und Erfahrung, unbeschrieben wie ein weißes Blatt, nehmen sie ihren Platz im Leben ein und wenden sich wie eine aufblühende Knospe dem Licht und der Welt zu. [...]
Steffi Weigels Bilder sind realitätsnah und sehr ehrlich. Ähnlich den Darstellungen von Neugeborenen Marlene Dumas' beschreiben sie die erste Begegnung mit dem neuen Leben als fremd, lassen sie die Anwesenheit des kleinen Wesens mit eigenem Lebenswillen und Entschlusskraft als irritierend - und wunderbar empfinden. Doch bei aller Offenheit, in der Schrecken und Ungewissheit geschildert werden, transportieren die Arbeiten eine sehr positive Botschaft. Weigels Neugeborene stehen nicht allein für die Konfrontation mit der Realität des Mutterseins mit all seinen Folgen, sondern vielmehr für das Leben selbst, für Erneuerung und Beständigkeit. Die Geburt ist der Beginn des Lebens, in jeder Geburt liegt ein Neuanfang, in jedem Neuanfang eine Chance.
(Text von Anna von Bodungen, April 2008)
Ausstellungseröffnung dokumentiert durch den Berliner Kunstkontakter:
www.berlinerkunstkontakter.de