ENGLISH | DEUTSCH 
HOME / GALERIE / AUSSTELLUNGEN / KÜNSTLER / NEWS / IMPRESSUM

< zurück zur Übersicht

SANDRO PORCU / PER MIO PADRE / 27. Juni – 2. August 2008

Ausstellungsansichten (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken):

exhibition view 1
exhibition view 2
exhibition view 3
exhibition view 4
exhibition view 5


Sandro Porcu ist ein sehnsuchtsvoller Suchender, der subtil die Wunden unserer Gesellschaft offen zu legen vermag. Für seine im Geiste bereits vollendeten Skulpturen geht er oftmals Tage und Nächte durch die Straßen, um in der Realität den richtigen Gegenstand, die geeignete Physiognomie – eine Hand, ein Gesicht oder gar einen ganzen Menschen – für seine Werke zu finden. Aus denen schafft er dann – verfremdet, vergrößert, in Gips gegossen oder als Wachsfigur – hyperrealistische Kunstwerke. Mitunter haucht eine integrierte Mechanik den Skulpturen Leben ein. Die bereits täuschend echte physische Präsenz seiner Werke wird dadurch noch verstärkt, so dass der Besucher seiner Ausstellungen mehrmals hinsehen muss, ehe er die Illusion von Porcus Kunstwerken durchschaut.

Auf den ersten Blick mögen Sandro Porcus Skulpturen an bekannte Werke von Maurizio Cattelan oder Robert Gober erinnern. Durch die kinetische Funktionalität seiner Arbeiten macht Porcu jedoch eine weitere Realitätsebene erfahrbar. Sie verstärkt die ohnehin bereits direkte Offenlegung der alltäglichen Lebenswirklichkeit.

So zeigt Sandro Porcu beispielsweise in einer seiner Arbeiten einen alten Mann auf einem Koffer sitzend, der augenscheinlich sehr müde ist. Immer wieder nickt er ein. Doch sein Nickerchen ist nur von kurzer Dauer. Kaum ist der alte Mann eingeschlafen, rückt er sich wieder auf. Es ist eine des Tages oder gar des Lebens müde Figur, die nicht nur gegen den Schlaf anzukämpfen scheint. Im Sinne Ciceros: „somnus imago mortis“ („Der Schlaf ist das Bild des Todes“).

Parallel dazu ragt in Porcus Arbeit „takes“ ein überlebensgroßer Arm im reinweißen Gewand aus der Decke. In seiner typischen Haltung der überlieferten Geste der dextra dei – in einer ebenso gebenden wie auch nehmenden Haltung – weckt er nicht nur Assoziationen an Michelangelos Darstellung der „Erweckung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle.

Alles in allem umkreisen Porcus Themen in der Ausstellung „PER MIO PADRE“ die Dialektik von Jenseits und Diesseits, von Idealismus und Materialismus – in Zeit und Raum.

(Text von Annette Doms, Mai 2008)


Ausstellungseröffnung dokumentiert durch den Berliner Kunstkontakter:
www.berlinerkunstkontakter.de