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KAREN OOSTENBRINK / DIE HEILIGEN, DIE MÖWEN & DAS MEER / 03.04. – 09.05.2009

Ausstellungsansichten (zum Vergrößern bitte anklicken):


exhibition view 1

exhibition view 2
exhibition view 3
exhibition view 4

exhibition view 5



DIE HEILIGEN, DIE MÖWEN UND DAS MEER

Es gab einmal Heilige, die nicht zufrieden waren. Sie hatten das Gefühl nicht gesehen zu werden, nicht in ihrer ganzen Größe. Eitel waren sie schon, diese Heiligen. Und dabei konnten sie sich doch eigentlich nicht beklagen. Sie aber sahen die einzige Möglichkeit wirklich gesehen zu werden darin, sich ihrem Glauben hingeben zu können. Und so kam es, dass, als die ersten Verehrer halt machten und die Heiligen anbeteten, sie voller Freude ihr Heil gesichert glaubten. Auch die Verehrer freuten sich. Als einäugige Könige sahen sie sich, in einem Reich voller Blinder. Auserwählt jene Blume zu sehen, die für die anderen unsichtbar bleiben würde.

Doch auch mit einem Auge sieht man nur wenig, wenn man vor der Sonne steht und in seinen eigenen Schatten schaut. Groß war der Schatten. Nur wenige Blumen gibt es, die in jenem Schatten blühen können. Das, was die Heiligen hell ausgeleuchtet wähnten, verwelkte im Dunkeln. Auf ihrem Weg zurück in die Sonne wurden die Heiligen vor ein Dilemma gestellt. Die Heiligkeit war nur so lange gültig als die Verehrung haltbar war. Jetzt da sie sich zu der Sonne begaben, mussten sie sich entscheiden, entweder Heil oder Sonne. Endgültig wählten sie die Sonne und liefen weiter. Aber schwer taten sie sich schon mit diesem Weg. Nicht leicht ist es, das eine zu sein ohne das andere zu verleugnen.

An diesem Punkt begegnen wir ihnen, meinen Heiligen. Sie sind ihrer Kindheit entwachsen ohne zu erwachsen; die Unschuld bekennt Schuld, die Schuld wiederum ist unschuldig, die Bedrohung hat Vertrauen gewonnen und aller Widerstand hat sich gelegt. Einen Schatten noch tragen sie im Herzen. Nenne sie eitel, diese Heiligen, nenne sie naiv; aber wahrhaft ist ihr Glaube. Jetzt fragen sie sich, was ihnen dieser Glaube nun eigentlich gebracht hat, ob sie ihn nicht um Himmelswillen besser auch hinter sich lassen sollten, dort im Dunkeln.

An einem nebeligen Vormittag in Berlin jedoch, über den Wassern der Museumsinsel, zwischen Fernsehturm und Berliner Dom, zwischen Gemälden und zurückgekehrten Göttern; da schweben sie. Sie steigen aus dem Nebel empor und tauchen wieder in ihn hinein: die Möwen. Na schön, meinen die entheiligten Heiligen noch, Möwen in Berlin. Gerade jetzt. Aber dann klärt sich der Himmel auf. So wie wirkliche Heiligkeit keine Verehrung braucht, so braucht wirklicher Glaube keine Erfüllung, sondern ist in sich selbst erfüllend. Es mag töricht scheinen, an ein Meer zu glauben inmitten einer Großstadt. Es gibt aber Möwen. Und wo es die Möwen gibt, gibt es das Meer.

(Text von Karen Oostenbrink, Februar 2009)

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Ausstellungseröffnung dokumentiert durch den Berliner Kunstkontakter:
www.berlinerkunstkontakter.de